Heute hätte ich nach Wochen endlich mal richtig ausschlafen können wenn nicht Kuriertag wäre. Meine private Wohnung ist gleichzeitig das Hamburger Büro unseres Labels Four Music, aber auch meine Fanta-Office-Adresse. Also klingelt mich der Kurierfahrer um 6:30 Uhr (!) aus den Federn. Ich nehme nur mit Unterhose und zugekniffenen Augen eine saublöde CD-Bemusterung einer beknackten Dance-Band an und zittere meine Unterschrift auf die Quittung. Peng, Päckchen ins Büro gefeuert und wieder in die Falle. Eine halbe Stunde später ein weiterer Kurier, der mir endlichendlichendlich meine bestellte Videokamera bringt. Kuß aufs Paket vor Freude, weil die Penner von der Sonyhardware immer alles später machen, als sie ansagen. In drei Tagen geht’s auf Tour und jetzt kann ich chefmäßig Videodokumentieren. Scheiße. Der Hals schmerzt und die Stimme ist flach. Hab ich mich also doch erkältet. Hoffentlich geht das bis zur Tour nennenswert weg. Also ausschlafen bis halb eins Mittags. Schlafen ist geil. Gut gegen depressive Verstimmung und Hals-Nasen-Erkrankungen. R.P. kommt überraschend zu Besuch. Der zweifelhafte Anlaß: Er wurde von einer Verabredung mit einer Sängerin, die er evtl. produzieren wollte sitzengelassen. Also gehen wir zum italienischen Mittagstisch gegenüber und ich erzähle ihm von der A&R-Regel „Never sign a backgroundartist“, denn gut singen können viele, aber gut singen und Star sein können nur wenige. Die Pasta ist lecker und wir reden über Liebe, Älterwerden und Visionsentwicklung von Leuten ab 30. Anschließend spontanes Kartfahren auf der Strecke in Nedderfeld mit dem auf Durchreise befindlichen Rennbruder R.M. Die aus Liebeskummer der letzten Monate resultierende Appetitlosigkeit hat mein Gewicht auf prima 76 Kilo reduziert. Mal sehen ob sich das auf meine Bestzeit auswirkt. Der Karusellbremser auf der Bahn kennt mich schon lang genug um mich mit öligen Handschlag zu begrüßen und um uns nach zehnmütigem Warmfahren ein weiteres Mal in die Geheimnisse der Nedderfeld-Ideallinie einzuweisen. Dann halbe Stunde heizen. Yeah. Sauber unter der Minutengrenze geblieben und sogar die eigene Bestzeit endlich um ein Zehntel unterboten 57´60“. Genug gealbert. Ich muß im Büro ein Haufen Zeug machen bevors auf Tour geht. Samplermusik zusammenstellen. Dazu Tapes und Samples hören, Schriftverkehr, Adressen und CDs sammeln um sie J. zu schicken, der die Arbeit für mich während der Tour übernehmen soll. Demos hören und div. F4-Anfragen beantworten. Log mich stundenlang in die WDR-Eins-Live-Seite ein. Nachdem N. und ich uns letzte Woche näherkamen ist es lästig fünf Wochen auf Tour zu sein und so den noch-näher-kennenlernen-Prozeß zu hemmen. Habe sie aber auf dem Desktop während ich Mails, Faxe, Briefe und Rechnungen schreibe, weil ihr Radiosender die Moderationskabine per Webcam ins Netz stellt. Lieber pixelig als gar nicht. Das Wetter ist immer noch unglaublich gut, also noch ein bißchen mit der Triumph durch den Stadtverkehr fahren. Total illegal nur mit luftigem Pulli und Jeans zur englischen Videothek am Schlump geschossen und mir Raging Bull mit Robert de Niro und Joe Pesci ausgeliehen. Ein früher Scorcese aus den 70ern in Schwarz-Weiss. Niro spielt einen N.Y.-Underdog-Itacker-Boxer und der superjunge Pesci ist sein Bruder und Manager. Dann zum Wom an die Alster geballert und einen Sack CDs gekauft. Beim Carlene Anderson Album habe ich nur wegen „Miss You“ zugegriffen. Außerdem ist noch ein gutes Lied drauf. Zwei toffe Songs pro Album. Mäßiger Schnitt. Dann noch ein paar CDs neu gekauft, von denen ich aus unerfindlichen Gründen lediglich die leeren Hüllen im CD-Schrank habe. Curtis Mayfield, Manfred Krug und als Experimentalkauf die aktuelle Cutty Ranks. Mensch ist die Scheiße produziert. Habe mir sofort geschworen nie wieder ein Album von dem zu kaufen; genau wie beim letzten Mal. Zurück zu Wohnung/Büro in die Weidenallee und noch bis zwei Uhr morgens am Schreibtisch gearbeitet. Dann den Film nur eine Stunde angucken können weil die Augen schwer wurden. Alleine beim Glotzen einschlafen ist mir noch nie passiert.